EURO 2008: Wettkampf oder Wahlveranstaltung?

Welche Gründe waren ausschlaggebend, eine Fußball EM in Österreich auszutragen? Die Fußballbegeisterung der Österreicher und die sportlichen Leistungen unserer Nationalmannschaft kann man mit Sicherheit ausschließen. Die oft zitierte Meldung, der Euro-Millionen-Wertschöpfung und der Österreich-Werbung scheint hingegen plausibel.

Nur wer schöpft die Millionen? Vor allem die Gastronomie, die Hotellerie und der Handel.

Das Event-Catering in der VIP Longe wird sicher den Jahresumsatz von Attila Dogudan, Mastermind von "Do&Co", in die Höhe springen lassen.

Der Ansturm auf die EM-Tickets hat bereits begonnen. Ein Lotterie-Spiel ein Ticket zu erstehen. Der Preis für eine Karte für das Finale liegt immerhin bei 1.676 Euro! Unsere Politiker werden sich in der EM-Sonne suhlen. Der Bundeskanzler will ja bereits jetzt als EM-Kanzler in die Geschichte eingehen. Feiern und in die Kamera lächeln kann er ja, hat er ja schon in Kitzbühel und Schladming bewiesen. Aber nicht nur der Bundeskanzler, auch andere Regierungsmitglieder werden die EM für´s Dauergrinsen nützen. Können sie auch leicht: Die Kosten tragen sie freileich nicht selbst. Die VIP-Logen samt Gourmet-Essen wurden bereits getestet und für gut befunden. Außerdem wird das Image gepflegt, das ja bekanntlich zurzeit im Keller ist. Die nächste Wahl kommt bestimmt…

Verkehrsstau und überfüllte Öffis bleiben dem Fan vorbehalten, der kein VIP ist.

Die überhöhten Bierpreise in der Fanmeile werden von der Vizebürgermeisterin als nicht so schlimm bezeichnet. Dass kein österreichisches Bier in der Fanmeile ausgeschenkt werden darf macht auch nur „Carlsberg“ froh. Die dänische Brauerei ist nämlich Exklusivpartner der UEFA.

Die Kosten für die Sicherheit samt dazugehörigen Übernächtigungskosten für Sicherheitskräfte aus den Bundesländern verschlingen Unsummen. Macht nichts. Denken wir jetzt wieder an die Wertschöpfung! Profitieren werden sicher viele, allen voran die Wirtschaft. Und wenn´s der Wirtschaft gut geht, geht´s uns allen gut! Wenn wir an das vergangene Wirtschaftsjahr denken, dass ja saugut war hat es uns letztendlich nur Teuerungen gebracht.

In Deutschland wurden ebenfalls die Preise im Handel für die Dauer der WM angehoben. Jeder möchte sich ja ein Stück vom Kuchen abschneiden und am wirtschaftlichen Erfolg partizipieren. Leider wurden nach der WM nur die wenigsten Preise wieder gesenkt.

Um die noch geringe EM-Lust der Österreicher zu steigern werden alle Register gezogen. Nicht einmal die Opernball-Eröffnung blieb von der EM-Hysterie verschont. Noch peinlicher wird´s nur noch nach der ersten Niederlage der Österreichischen Nationalmannschaft.

Der künstliche EM-Hype ist genauso schwachsinnig wie das Vorhaben, die Fanmeile meterhoch einzuzäunen. Typisch österreichische Lösung.

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