Die Welle. Pflichtlektüre!

Wäre Die Welle ein Roman, man könnte den Inhalt des Buchs kaum glauben. Aber so (oder doch zumindest ähnlich) ist es wirklich passiert, in der Klasse des Lehrers Ron Jones in den USA — einer Klasse an einer Schule also, die sich so weit weg wähnte vom deutschen Nazi-Terror, und die dann doch auf schmerzliche Weise am eigenen Leib erfahren musste, dass die Regeln des Faschismus auch heute noch funktionieren und dass es jeden treffen kann.

In Die Welle beginnt alles mit einem Film über den Holocaust. Der junge Lehrer Ben Ross zeigt den Schülern der Gordon High School Bilder von ausgermergelten Juden im Konzentrationslager. Alle sind angewidert und entsetzt, aber eine Gruppe um Laurie Saunders von der Schülerzeitung "Die Ente" kann und will nicht glauben, dass Menschen zu derlei Grausamkeiten überhaupt fähig sind. Um sie und andere zu überzeugen, startet Ross ein Experiment, dass auf fast unbemerkte Art und Weise Methoden der Diktatur installiert. Und plötzlich zerfällt der Klassenverbund in Opfer und Täter — bis die Situation auf schreckliche Weise eskaliert.

Inzwischen gehört Die Welle des 55-jährigen Autors Morton Rhue (Ich knall euch ab!, Asphalt Tribe) zum Kanon auch an deutschen Schulen. Und das ist gut so. Denn das Buch räumt mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, dass der Nationalsozialismus ein historisches Phänomen war, das nicht wiederkommen kann. "Wie kann man Millionen von Menschen abschlachten, ohne dass jemand etwas davon weiß?" Auch wenn Die Welle Fragen wie diese nicht beantworten kann, so wirft der Roman sie doch auf. Umso wichtiger ist seine Lektüre. –Isa Gerck

kulturnews.de
Im Kino läuft gerade die Verfilmung von Morton Rhues "Die Welle", dem Lektüreklassiker über ein außer Kontrolle geratenes Schulprojekt zum Thema Autokratie. Ein guter Zeitpunkt, um die in den 80er-Jahren veröffentlichte Geschichte auch als Hörstück auf den Markt zu bringen. Dieses Zwei-CD-Hörspiel ist allerdings keine eigenständige Produktion, sondern ein reines Nebenprodukt des Films: Originale Filmdialoge wurden inklusive der atmosphärischen Geräuschkulisse zusammengeschnitten; als Erzähler fungiert Stefan Kaminski, der die Gesprächsfetzen miteinander verbindet und Teile der Handlung zusammenfasst. Grundsätzlich funktioniert das sehr gut, auch wenn man ein wenig braucht, um die Stimmen den Charakteren zuzuordnen. Was nervt, ist der Vortrag Kaminskis: Er klingt so betulich wie die Sprecher alter Kinderhörspielkassetten. Da die Story eh eine sehr junge ist, verleiht das dem gesamten Hörspiel den Anstrich einer Produktion, die allenfalls in Jugend- oder Klassenzimmern Gehör findet. (jul)

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